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Zerplatzte Träume

«Ich kann nicht malen.»
Sind Sie sich darüber sicher? Liegt das nicht eher an Ihre falschen Erwartungen? Niemand von uns würde sich ans Klavier setzen und erwarten, er oder sie könne sofort oder innerhalb wenigen Monaten wie ein begabter Pianist spielen. Warum erwarten die meisten von uns, sie sollten «schön» malen und zeichnen können und werten sich ab, wenn dies nicht der Fall ist?
Wenn Sie einen guten, geübter Maler werde möchten, suchen Sie einen Kurs an einer Kunstschule. Sie sind sich bewusst, dass es mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird, bis Sie ihre Technik geschliffen haben. Doch es geht auch anders. Wenn Sie die Freude am Malen suchen, ein Moment der Entspannung, der Kreativität und der Begegnung mit sich selber als Gesamtmensch, dann können Sie einfach so malen. So wie Sie eine selbst erfundene Melodie pfeifen würden, ohne den Anspruch zu haben, einen Bühnenreifen Auftritt daraus zu machen.
Wir können für uns malen, das kreative Tun geniessen, mit Farben experimentieren, etwas Neues wagen, uns künstlerisch ausdrucken, alles ohne grosse ästhetische Ansprüche. Es tut einfach gut, es erlaubt uns in der Regel eine Tiefe und eine Verbindung zu erleben, die wir im Alltag oft vermissen. Diese ist meine Erfahrung und mein Wunsch für Sie. Und oft werden sich die Augen für eine ganz andere Schönheit öffnen, denn wenn das Herz offen ist, sehen Sie auch, was für die Augen unsichtbar bleibt.

Am 23. Januar 2021 findet der Schnuppertag in den Ateliers an der Steinbruchstrasse 16 in Chur von den Kunsttherapeutinnen Ruth-Nunzia Preisig, Sara Adzayi-Nussio und Karin Rüegsegger statt. !VERSCHOBEN AUF DEN 8. MAI 2021!
Unter Beachtung der momentanen vorgegebenen Schutzmassnahmen des BAG und des Kantons können wir unsere kunsttherapeutische und kreative Tätigkeit mit Einzelpersonen und Kleingruppen weiterführen. Wir freuen uns auf interessierte und neugierige Kinder und Erwachsene, die einfach mal die einladenden Farben und den angenehmen Ton ausprobieren möchten. Gerne erzählen wir dann auch dazu, was es mit der Maltherapie, dem intuitiven Malen und dem therapeutischen Gestalten mit Ton auf sich hat. Und warum diese kunsttherapeutischen Methoden so wohltuend für uns und unsere Emotionen sind.
Möchten Sie unsere Angebote kennenlernen? Bitte melden Sie sich bei Karin Rüegsegger tel: 079 545 49 90 oder keramikwerkstatt@bluewin.ch an.

Weitere Angaben finden sie auf unseren Webseiten: www.mal-atelier.ch,
www.mal-wege.ch, www.keramik-kunst-therapie.ch

"Du bist in einem Dschungel und du musst da alleine hindurch laufen. Kein Führer, kein Buch kann dir helfen. Dafür brauchst deine eigene Lebenskraft und Stärke."
(J. Krishnamurti, frei zitiert)

"Geh hinaus in den Wald, geh hinaus. Wenn du nicht hinaus in den Wald gehst, wird nie etwas passieren, und dein Leben wird nie beginnen." (C.P. Estés)

Alles wackelt, nichts ist sicher, was ist das? Was passiert? Was will ich? Wo bin ich?
«Verwirrung ist ein gutes Zeichen», sagte uns ganz am Anfang der Ausbildung eine Dozentin. Der Prozess kommt in Bewegung, wir mitten drin. Natürlich haben wir keine Übersicht, wir sind im Strom, haben das bekannte Ufer erst losgelassen und haben keine Orientierung. Verwirrung und Chaos im Bild sind natürliche Zustände, die sich weiterentwickeln werden, wenn wir nicht aufgeben. Manchmal ist es weiser in Ruhe zu warten, bis sich das Wasser beruhigt hat und wir eine bessere Sicht haben. Manchmal müssen wir weiter malen, weiter machen, dem Prozess Vertrauen, ohne zu wissen, was wirklich passiert und ob wir uns in eine gute Richtung bewegen. Gerne hätten wir jemanden, der uns an die Hand nimmt und den Weg zeigen würde. Doch diese Aufgabe gehört nur uns, denn jeder Weg ist einzigartig und jeder Zauberwald sieht anders aus. Unsere Begleitung kann uns nur Mut und Vertrauen schenken: «Gib nicht auf, es kommt gut. Vorher oder später, wirst du verstehen, was los war. Etwas Neues ist am entstehen, Altes muss gehen!»

"Du kannst keine grossen Dinge tun. Du kannst nur kleine Dinge mit grosser Liebe tun." (Mutter Teresa)

Ab und zu bin ich im Atelier Malenden begegnet, die sich ein grosses Blatt nicht zutrauen. Andere wissen ganz genau, dass sie etwas kleines malen möchten. Es gibt auch Klienten, die ein grosses Blatt richtig geniessen und ihrem Ausdruck freien Lauf lassen.
Am Anfang meiner Ausbildung zur Maltherapeutin wuchsen meine Bilder von Monat zu Monat. Am ersten Blatt wurde ein zweites angemacht, dann ein drittes... Grosse Figuren und Bäume entstanden. Es ist sehr eindrücklich vor einem grossen Bild, das gerade kreiert wurde zu stehen. Wir erkennen, dass durch uns etwas ausgedruckt wird, dass wahrgenommen werden möchte, das real werden möchte, das seine Wichtigkeit für uns und für die Welt kundtut. Ein starkes Freiheitsgefühl begleitet diesen Prozess.
Kürzlich habe ich das Bedürfnis, nach ganz kleinen Formate. Was ist das für ein Bedürfnis? Ich denke, es geht darum, etwas zusammenzufassen und zu verdichten, so dass es wie einen kleinen Schatz mitgenommen, bzw. weitergegeben werden kann. Ein Baum wächst und wächst, unterlässt aber sein ganzes Erbe in einem kleinen Samen. Das Wesentliche ist das ganz kleine, das weitergegeben wird.
So befinden wir uns im Atelier, wie im Leben, in diesem Prozessfluss zwischen gross und klein. Wir sind gross und klein zugleich. Unsere Vorhaben sind gross und klein zugleich. Ein Makrokosmus begrüsst uns in einem Mikrokosmus. Ein Mikrokosmus eröffnet uns den Weg auf das ganze Universum.
Es gibt Kinder, die malen sich sehr klein auf das Blatt. Oft sind es Kinder, die sich wenig zutrauen, die Angst haben ihren Platz im Leben einzunehmen. So kann es hilfreich sein, jemanden im Malen zu unterstützen grösser und mutiger zu werden. Umgekehrt gilt es zu erkennen, wenn das Bedürfnis klein zu malen, aus einem ganz besonderen Prozessmoment entsteht, in dem etwas Kostbares geschützt werden möchte oder als kleines Geschenk entsteht. Bei Müdigkeit ist es meistens auch ratsam, sich nicht zu viel vorzunehmen und sich in einem Malraum zu bewegen, das nicht überfordernd ist.
Gross oder klein? Wie oft in der Maltherapie gibt es kein allgemeingültiges Rezept, sondern ein Spielen mit- und Erkunden von- sich ergänzenden Qualitäten.

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Kaum ist ein Kurs vorbei, schon ist der nächste in Planung…
Ja, wir haben unsere Reisen in der Welt der Archetypen gemacht. Inspiriert durch einfache Lieder und durch Texte aus dem Buch «Frauen leben» von A. Klopstech haben sich die «Malfrauen» von der Energie sechs weiblicher Archetypen führen lassen. Das Mädchen schenkte uns Leichtigkeit, Freude, Musik, Freiheit, Natur und eine Schaukel. Die Gefährtin brachte uns Liebe, Leidenschaft, Wärme, archaische Zeichen und einen Schmetterling. Die Mutter führte uns durch den ewigen Kreis von Nähren und Genährt-werden, sowie Beschützen und Loslassen. Die Amazone zeigte uns ungeahnte Kräfte und unerwartete Herausforderungen. Dann kam die Seherin mit ihrer intuitiver Weisheit und die alte Weise mit ihren zeitlosen Geschichten aus dem Leben.
Jedes Mal, dass sich eine Frauengruppe trifft, um kreative Wege zu erkunden und der Seele Raum zu lassen, werde ich von Staunen und Dankbarkeit erfüllt. Jedes Bild, einzigartig wunderbar und geheimnisvoll, entsteht meistens ohne Vorahnung wie aus dem Nichts. Die Atelieratmosphäre fühlt sich intensiv und lebendig an. Der Austausch in der Frauengruppe, geprägt von echtem Interesse und Wertschätzung, bringt die Fülle der inneren Bilder, Geschichten, Erfahrungen und Weisheiten ans Licht und bereichert uns jedes Mal von Neuem. Danke, danke, danke!
Und wer noch nicht genug davon hat, oder diesen Zauber auch erleben möchte: am 5. März geht es weiter, mit einem neuen Thema.

Manchmal ist es einfacher etwas loszulassen, wenn wir es vorher auf einem Bild festgehalten haben. Einem schlechten oder unklaren Gefühl eine Form geben, ihm einen Namen geben und es bewusst wahrnehmen... danach ist unsere Seele bereit für einen Wandlungsprozess. Den Tatsachen in die Augen zu schauen, hat etwas Befreiendes und Transformierendes an sich.
Auch ein schönes Gefühl, ein geschenkter Augenblick, kann plötzlich beim Malen auftauchen und mit Farben festgehalten werden. Wir haben dann mit Kraftbildern zu tun, die uns inspirieren und nähren können. In schwierigeren Zeiten erinnern sie uns an unsere innere Kraft und wecken in uns das Vertrauen, dass wir es auch dieses Mal schaffen werden.
Manchmal hingegen, möchten wir ein schönes Gefühl oder einen glücklichen Moment auf einem Bild festhalten und wir merken, dass es nicht geht. Das Gefühl oder der Moment sind schon vorbei. Der kreative Prozess fliesst weiter in seinem ewigen Zyklus von Entstehung und Zerstörung. Was bleibt ist die Veränderung, das Fliessen, die Verwandlung.
Sind wir gegenwärtig, mutig und demütig genug, um im Fluss zu bleiben?
Ebbe und Flut, Leere und Fülle, Ordnung und Chaos, Leben und Tod, kreieren und vernichten… all diese sind natürliche Prozesse, die auch beim Malen und Gestalten erlebt werden.