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Manchmal ist es einfacher etwas loszulassen, wenn wir es vorher auf einem Bild festgehalten haben. Einem schlechten oder unklaren Gefühl eine Form geben, ihm einen Namen geben und es bewusst wahrnehmen... danach ist unsere Seele bereit für einen Wandlungsprozess. Den Tatsachen in die Augen zu schauen, hat etwas Befreiendes und Transformierendes an sich.
Auch ein schönes Gefühl, ein geschenkter Augenblick, kann plötzlich beim Malen auftauchen und mit Farben festgehalten werden. Wir haben dann mit Kraftbildern zu tun, die uns inspirieren und nähren können. In schwierigeren Zeiten erinnern sie uns an unsere innere Kraft und wecken in uns das Vertrauen, dass wir es auch dieses Mal schaffen werden.
Manchmal hingegen, möchten wir ein schönes Gefühl oder einen glücklichen Moment auf einem Bild festhalten und wir merken, dass es nicht geht. Das Gefühl oder der Moment sind schon vorbei. Der kreative Prozess fliesst weiter in seinem ewigen Zyklus von Entstehung und Zerstörung. Was bleibt ist die Veränderung, das Fliessen, die Verwandlung.
Sind wir gegenwärtig, mutig und demütig genug, um im Fluss zu bleiben?
Ebbe und Flut, Leere und Fülle, Ordnung und Chaos, Leben und Tod, kreieren und vernichten… all diese sind natürliche Prozesse, die auch beim Malen und Gestalten erlebt werden.


„Das Magische geschieht ausserhalb deiner Komfortzone” (Barbara Jäggi)

Der Anlass für die Tage der offenen Tür war die Neueröffnung in Chur der Keramikwerkstatt von Karin Rüegsegger. Karin hat jahrelang in Langwies als Keramikerin, Künstlerin und Kursleiterin gearbeitet. Nun hat sie ihre Ausbildung als Kunsttherapeutin abgeschlossen und ist unsere neue Ateliernachbarin geworden, zusammen mit Scarlet Uster. Es war Karins Idee, einen Tag der offenen Tür zu veranstalten. Ich, Nunzia und Pascale sagten sofort zu, doch bei mir machten sich schnell innere Widerstände bemerkbar. Mein Verstand lieferte mir viele gute Gründe, warum so eine Aktion nicht zu mir passen würde. Alte Ängste machten sich spürbar und sorgten für innere Unruhe. Schliesslich hatte ich auch so genug zu tun, könnte man nicht den Termin um ein paar Monate verschieben? Karin blieb standhaft, sie würde den Tag mit oder ohne uns machen und zwar in Mai! Ich ergab mich meinem Schicksal und siehe da: Je konkreter der Anlass wurde, desto stärker machte sich die Freude bemerkbar. Irgendwann war von den Bedenken und Ängsten nichts mehr zu spüren. Die gemeinsamen Vorbereitungen machten immer mehr Spass: eine richtige Ateliergemeinschaft wurde geboren. Am Freitagabend bei der Begrüssung, war das Atelier voll interessierter Menschen, die uns gespannt zuhörten. Auch am Samstag gab es viele Besucher/innen. Das Schönste für uns war, dass die Leute sich richtig Zeit nahmen zum Verweilen, um Ton und Farben auszuprobieren und um Auszutauschen. Es waren für mich zauberhafte, beflügelnde Tage: Die Blumen, der feine Apéro, die vielen kleinen mutigen kreativen Schritten, die inspirierenden Gespräche, die Wertschätzung, die freudige schöpferische Atmosphäre… Unsere Welt braucht solche Momente des Friedens, der Freude und der Kreativität! Ich möchte mich bei allen Besucher/innen bedanken, bei Grossen und Kleinen, sowie bei Karin, Nunzia, Pascale, Scarlet und bei der Musiker-Familie. Es ist mir wichtig, dieses gemeinsame Werk zu würdigen. Ich bin stolz auf uns alle.

"Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst." (Haemin Sunim)

Schneeformen auf der Wiese am Morgen, eigenartig und geheimnisvoll. Strahlende Blüten und zärtliche Frühlingsblätter vor blauem Himmel am Nachmittag. Wenn jeder neuer Schritt Schönheit enthüllt, dann weiss ich, dass das Herz offen ist. Strukturen, Rhythmen, Zeichen, Farbharmonien lassen mich staunen. Überraschungen, Humorvolles, Unerwartetes entlocken mir ein Lächeln. So viel Schönheit ist um uns, so viel strahlende Schönheit. Kreative, meditative Tätigkeiten wie Malen und Gestalten lassen in uns die Sensibilität für Schönheit wachsen.

Märchen reden Seelensprache, sie sprechen in Bildern und sind mit den Träumen verwandt. Sie verbinden uns mit anderen Welten. Wir können von inneren Welten reden, von Unterbewusstsein, von anderen Realitäten, von schamanischen Welten, von Traumwelten… In Märchen gelten andere Gesetze, als in der physischen Welt und vieles ist möglich.
Märchen verbinden uns mit unserer Kindheit, mit unseren Grosseltern, mit unseren Vorfahren, mit der Menschheitsgeschichte, genauer gesagt mit der Seelengeschichte der Menschheit. Sie sind eine Art Landkarte der Seele, die uns Orientierung gibt. Sie können uns helfen, beraten, ermutigen, warnen und heilen. Sie enthalten Urbilder der Seele: Jung spricht in diesem Zusammenhang von Archetypen, oder von archetypischen Kräften und Symbole.
Kinder lieben Märchen. Bei ihnen ist die Trennung zwischen der physischen Welt und der anderen Welten, wie wir Erwachsenen in der westlichen Gesellschaft stark haben, noch nicht so da. Ihre Seele kann sich dank der Märchen, auf ihre Heimat erinnern und auf ihre Reise in diese Welt vorbereiten. Viele Märchen wurden vom Christentum und vom Patriarchat stark geprägt oder verdreht. Es bedarf Hintergrundwissen und Erfahrung, um diese neuere Schichten zu erkennen und an den alten ursprünglicheren Kern der Geschichte zu gelangen.
Märchen haben etwas Zauberhaftes. Malidoma Somé sagt, eine Geschichte sei wie ein Wald, bewohnt von unzähligen Wesen. Jeder der hineingeht, findet seinen eigenen Platz, seine Heimat. Es ist der gleiche Wald, aber jeder hat ein persönliches Bild von diesem Wald und persönliche Begegnungen und Erlebnisse. In der Maltherapie wird diese starke und persönliche Resonanz genutzt. Ein Märchen ist wie ein Tor. Wir bleiben nicht beim Tor stehen, wir gehen durch das Tor hindurch. Das heisst, wir lauschen dem Märchen, lassen uns berühren, merken, wo Resonanz entsteht und mit dieser Berührung, mit diesem Gefühl arbeiten wir weiter und verbinden es mit unseren Lebensthemen. Das Märchen begleitet uns und sagt: «Hei, du bist nicht allein, andere vor dir mussten vieles durchstehen!» Und es versichert uns: «Es kommt gut.»

Selbstliebe. Ein Wort, das bei einigen Menschen auf Abwehr stösst. Ist es nicht egoistisch, sich selber zu lieben? Nein. Ganz im Gegenteil. Ich bin nicht wichtiger als andere Menschen, aber auch nicht weniger wichtig. Selbstliebe ist die Basis aller Liebe. Es geht nicht darum, ein Idealbild aufrecht zu erhalten und zu lieben, sondern sich selber zu lieben, genau so wie frau (man) ist. Wenn ich mich selber nicht annehmen kann, mit Licht und Schatten, Tag und Nacht, Stärken und Schwächen, wie soll ich es mit meinen Mitmenschen tun können?
Das Thema Selbstliebe treffe ich immer wieder in der Begegnung mir den verschiedensten Menschen und bei mir selber. Die eigene Unvollkommenheit zu umarmen ist der erste Schritt, um liebevoll und selbstsicher durch die Welt zu gehen. Es ist auch wichtig, die eigenen Träume, Wünsche und Bedürfnisse willkommen zu heissen, ihnen einen Raum geben, sei es nur ein innerlicher. Wenn du es nicht für dich machst, wer soll es denn machen?
Wir können beim Malen einen wertfreien, wohlwollenden Umgang üben, mit allem, was sich zeigen will. Wir können kindische Figuren, schräge Gesichter, kitschige Landschaften usw. anlächeln. Was haben wir da zu verlieren? Plötzlich entdecken wir da drin etwas Neues: den Mut und die Freiheit, uns selber zu sein.
Wir können im Leben den Mut finden zu sagen: «Ja, das mache ich, nein, das mache ich nicht. Das tut mir nicht gut.» Wir müssen so andere nicht manipulieren, denn wir wissen, dass wir gut für uns sorgen können. Wir verzichten auch darauf, perfekt sein zu müssen und wir verzichten darauf zu verlangen, dass andere perfekt sein müssen. Denn wir spüren fest in uns: Wir sind alle verbunden und wir sind alle Menschen. Genau deshalb sind wir liebenswert. Selbstliebe ist ein Weg zu dem heutzutage viele von uns gerufen werden, um wieder ganz zu werden. Andere sind schon auf diesem Weg und können sich von da aus in ihrem Leben grosszügig für andere einsetzen.

Ich kenne keine grössere Freiheit als die der Kreativität. Alles darf und nichts muss. Ich darf malen, übermalen, stehen lassen oder beenden, vernichten oder transformieren, verschlimmern oder verbessern, leer lassen oder füllen, lieben und hassen, alles so annehmen wie es ist oder einiges verschönern, anderes wegstreichen.
Ich darf spiele und ausruhen, es darf schnell und langsam, konzentriert und verzettelt sein. Es darf Form annehmen oder nicht, es darf farbig werden oder nicht. Vieles hat Platz nebeneinander, übereinander, nacheinander, ineinander. Oder es will allein sein, nur ein Strich, nur ein Punkt, nur eine Fläche, nur ein Wort…
Ich kann die Perfektion anstreben, oder alles vergessen und einfach schmieren, oder etwas Drittes machen. Meditieren, experimentieren, mich den Kopf zerbrechen oder einfach geniessen.
Gefühle kommen, Gefühle gehen, Assoziationen kommen, Assoziationen gehen. Es hat viel Bedeutung es hat keine Bedeutung. Ich darf es teilen, ich darf es für mich behalten. Ich bin lebendig, ich bin frei. 

"Freiheit bedeutet, keine Furcht vor dem Unvollkommenen zu haben."
(Zen-Meister Sengchan)

Es gibt eine gesunde Wut, eine lebensfördernde Wut. Ohne dass wir uns darüber bewusst sind, geht Wut oft Hand in Hand mit Traurigkeit. Manchmal versteckt sich hinter unserer Wut Traurigkeit. Manchmal versteckt sich hinter unserer Traurigkeit Wut. Wut ist eine aktive Energie. Sie verwandelt uns von Opfer in Täter. Wir müssen nicht destruktive Täter werden. Wir haben, die Wahl „tätig“ zu werden, schöpferisch tätig. Die Wut, die in uns aufsteigt gibt uns die nötige Energie dafür. Wir nehmen sie wahr und geben ihr eine passende Form.
Wut zeigt uns und unseren Mitmenschen, wo unsere Grenzen sind. Kleinkinder sind ihrer Wut ausgeliefert. Sie werden von diesem Gefühl überrollt und „explodieren“. Aber so schnell wie die Wut gekommen ist, so schnell geht sie wieder weg, weil sie bei ihnen frei fliessen kann. Mit den Jahren lernen wir im Idealfall unsere Wut in unseren Händen zu nehmen und ihr die gewünschte Richtung zu geben. Vielen Frauen wurde über Jahre (oder Jahrhunderte) eingetrichtert, dass Wut nicht zugelassen werden darf, da sie nicht weiblich ist. Sie haben den Kontakt mir ihrer Wut verloren. Doch ohne diese Energie sind wir sehr manipulierbar und verlieren das Gefühl für unsere Urkraft. Wut ist ein klares NEIN, das unser JA zum Leben schützt. Wird die Wutenergie anerkannt, respektiert und richtig gestaltet, dann öffnet sie uns den Weg zur Würde und zur Freude.